Anke Velten
Sofas im Extra-Markt
Das Wohnzimmer ist das Herz der Wohnung. Kuschelsofas und Lieblingssessel sind die freundlichen Einladungen, Platz zu nehmen und sich wohlzufühlen. Doch das kennen viele: Nach einem Umzug passt die Wohnlandschaft nicht mehr so richtig in die neue Umgebung – ist aber viel zu schön und zu gut erhalten für den Müll. Oder die erste eigene Wohnung steht an und mit ihr hunderterlei Ausgaben. Da schont es das Budget, wenn eine Couch aus zweiter Hand ergattert werden kann. Im Extra-Markt gibt es Woche für Woche Angebote für jeden Geschmack und Geldbeutel. Wer in der Rubrik Möbel inserieren möchte, sollte das Objekt aber präzise beschreiben. Ob es sich um einen Einzelsessel, ein Zweier- oder Dreiersofa oder eine multifunktionale Wohninsel handelt, gehört ebenso in die Produktbeschreibung wie der ehrliche Zustand und die genauen Maße. Die Farbe(n) und das Material des Polsterstoffes sollten in der Anzeige enthalten sein und – soweit bekannt – der Hersteller. Zudem ist eine Beschreibung des Stils sinnvoll: Verspielt, nostalgisch, elegant, klassisch oder puristisch sind Vokabeln, die potenziellen Käufern einen ersten Eindruck verschaffen können. Noch wirkungsvoller ist es, zur Anzeige ein Foto zu veröffentlichen.
Ob man das Sitz- oder Liegemöbel, auf dem sich mehrere Personen niederlassen können, als Sofa, Couch oder Kanapee bezeichnet, ist Sache des Geschmacks. Denn im Prinzip bezeichnen alle Begriffe dasselbe Objekt. Wobei das Kanapee, das ein wenig aus der Mode gekommen ist, eher gemütliche Nostalgie assoziiert. Geläufig ist eher die modern klingende Couch, die auf das französische Verb für schlafen zurückgeht. Der Begriff Sofa ist Ende des 17. Jahrhunderts in den deutschen Sprachschatz eingegangen. Verantwortlich dafür ist einer der ersten bekannten Markenmöbelhersteller der Welt: Der englische Kunsttischler Thomas Chippendale hatte Mitte des 17. Jahrhunderts der erstaunten Öffentlichkeit die ersten Varianten einer gepolsterten Sitzbank als „Sopha“ präsentiert und das Wort für das Möbel aus dem Arabischen entliehen. Bei Spezialformen sollte man aber die richtigen Bezeichnungen benutzen: Eine Chaiselongue ist ein Liegemöbel mit einem erhöhten Kopfteil – auch als Römersofa geläufig. Eine Ottomane hat nur eine Seitenlehne und mitunter keine Rückenlehne oder eine geschwungene Rückenlehne, die sich nicht über die ganze Längsseite zieht. Ein Sitz- und Liegemöbel ohne Rückenlehne, aber mit zwei gleich hohen Armlehnen, nennt sich Récamiere.Ein beliebtes, immer seltener anzutreffendes Modell ist das Ostfriesensofa, bei dem sich beide Seitenteile herunterklappen lassen. Sitzmöbel im Stil des Biedermeier sind auch unter der Bezeichnung Loriot-Sofa bekannt und waren einst Inbegriff der Gemütlichkeit. Tatsächlich wird diese typisch deutsche Zustandsbeschreibung, für den kaum eine andere Sprache eine zufriedenstellende Übersetzung kennt, in ihrer heutigen Bedeutung seit der Biedermeierzeit verwendet. Das Wohnzimmer als Ort, der vor allem dazu dient, es seinen Bewohnern gemütlich zu machen, ist ein recht modernes Phänomen. In der ersten Hälfte des vorherigen Jahrhunderts signalisierte der Begriff puren Luxus. In gut situierten Kreisen war man stolz auf Räume, die nur dafür eingerichtet waren, den Status ihrer Besitzer zu zelebrieren. Im Salon empfing man Gäste zu Gesprächen und nahm dabei würdevoll Platz auf edlen Polstermöbeln. In einfacheren Haushalten diente die Küche als Aufenthaltsraum für Familie und Besucher. Das waren die Zeiten, als Kinderreichtum und Mehrgenerationenhäuser die Regel waren, und den Bewohnern weit weniger Platz zur Verfügung stand als heute. In Quadratmetern lässt sich der persönliche Wohlfühlfaktor nicht messen – doch Lieblingssessel und -sofa haben darin zweifellos eine besondere Bedeutung
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