Alfa Romeo

Als der französische Automobilbauer Alexandre Darracq im Jahr 1906 ein Autowerk in der italienischen Stadt Portello bauen ließ, ahnte wohl niemand, welch großen Erfolg das Automobil einmal feiern würde. In der mittlerweile über 100-jährigen Firmengeschichte hat sich Alfa Romeo eine riesige Fangemeinde erarbeitet. Neben dem besonderen Design der Wagen, überzeugt der Autohersteller durch eine zuverlässige Technik und eine leidenschaftliche Motorsportgeschichte.

Allerdings ist die Geschichte von Alfa Romeo keine steile Erfolgsgeschichte. Denn zunächst bewährten sich die in Mailand hergestellten Produkte auf dem italienischen Markt nicht. Die  Italiener kaufen ihre Fahrzeuge lieber bei Fiat. So übernehmen schon bald Geschäftsleute aus der Lombardei das Werk, gründen die Società „Anonima Lombarda Fabricia Automobili“ (A.L.F.A.).

Im Juni 1910 wird das neue Unternehmen in das Handelsregister Mailands eingetragen. Ugo Stella, der neue Chef  erkennt schnell, dass das junge Automobilunternehmen gegen den etablierten Wettbewerber Fiat chancenlos ist und verordnet dem Unternehmen eine Nischenstrategie. Statt einfacher und preiswerter Automobile für den Arbeitsalltag will A.L.F.A. Feinkost anbieten.

Romeo investiert in Rennsiege

1910 verlässt der erste A.L.F.A. das Werk in Portello. Das Fahrzeug hört auf die Bezeichnung 24HP. 42 PS leistet der 4,1-Liter-Motor, der dem Wagen zu einer damals sensationellen Höchstgeschwindigkeit von über 100 km/h verhilft. Bereits ab 1911 untermauert A.L.F.A. seine Kompetenz im Automobilbau durch Motorsport-Erfolge. Nicola Romeo, ab 1915 Chef des Unternehmens, erkennt die verkaufsfördernde Wirkung von Rennsiegen und schickt sein Werksteam auch zu Rennveranstaltungen ins Ausland. Um die Schlagkraft der Rennabteilung weiter zu stärken, lässt Nicola Romeo sogar den Konstrukteur 34-jährigen Vittorio Jano vom Wettbewerber Fiat abwerben. Als Unterhändler setzt Romeo einen gewissen Enzo Ferrari ein, der ihm durch einige regionale Rennerfolge aufgefallen war und den er offiziell als Fahrer, praktisch aber als „Mädchen für alles“ anheuert.

Der Börsenkrach im Jahr 1929 treibt Alfa Romeo an den Rand des Ruins. Um Alfa Romeo am Leben zu erhalten, und damit den italienischen Markt nicht allein Fiat zu überlassen, übernimmt 1933 das Staatlichen Institutes für den industriellen Wiederaufbau Italiens große Anteile und gliedert Alfa Romeo 1934 in die Finmeccanica-Gruppe ein und setzt Ugo Gobbato als neuen Generaldirektor an die Spitze des Unternehmens. Dieser verfügt umgehend den Stopp für das finanzintensive Motorsport-Engagement. Jetzt schlägt die Stunde des Enzo Ferrari. Der hatte sich bereits 1929 in Modena selbständig gemacht und übernimmt sämtliche Rennwagen des Werks. Damit wird die „Scuderia Ferrari“ zur Rennabteilung von Alfa Romeo.

Die Automobile, die damals das Werk in Portello verlassen, hören unter anderem auf die Bezeichnungen RL und RM, 6C und 8C. Nur wenige sehr wohlhabende Menschen können überhaupt an den Kauf eines Alfa Romeo denken. Der Alfa Romeo 8C 2900 B ist bis zu 205 km/h schnell und gilt 1937 als das schnellste Serienauto der Welt. Alfa Romeo berechnet für diesen automobilen Traum 115.000 Lire, eine Summe, für die die solventen Käufer jener Zeit auch eine herrschaftliche Villa in bevorzugter Lage oder 13 Fiat Topolino erwerben konnten.

Alfasud wird zur Attraktion

Die siebziger Jahre beginnen mit drei Sensationen bei Alfa Romeo: Es erscheint der spektakuläre V8-Sportwagen Montreal, dessen Form aus der Hand des Bertone-Zeichners Marcello Gandini stammt. Außerdem präsentiert Alfa Romeo mit der Alfetta eine neue Limousinengeneration, deren Antriebstechnik auf die des gleichnamigen Formel 1-Renners zurückgeht, mit dem Alfa Romeo die ersten beiden Formel-1-WM-Titel erobern konnte. Die größte Attraktion hört jedoch auf den Namen Alfasud. Beim Alfasud handelt es sich um ein vollkommen neues Fahrzeug mit vorausschauender Konzeption. Mit seinem großen Innenraum und dem kompakten Schrägheck bildet er den Grundstein für die neue, bis heute bedeutende Fahrzeugklasse.

Der Alfasud verkauft sich gut. Dennoch beginnen für Alfa Romeo mit dem fortschrittlichen Fronttriebler sorgenvolle Zeiten. Trotz des dynamischen Boxermotors, bester Straßenlage und ansprechendem Äußeren kann die vielversprechende Konstruktion nicht in wirtschaftlichen Erfolg umgemünzt werden. Zu groß ist die Belastung der politischen Konflikte, der fortwährenden Streiks und der Interventionen der Geldgeber aus Rom.

In der ersten Hälfte der achtziger Jahre besteht das Programm aus Spider, Alfasud, Alfasud Sprint und den auf dem Transaxle-Prinzip der Alfetta basierenden Modelle Giulietta, Alfetta, Alfetta GTV und Alfa 6. 1983 löst der Alfa 33 den Alfasud ab. Zwölf Jahre bleibt der zwischenzeitlich gründlich überarbeitete Alfa 33 im Programm. Die Bandbreite des erfolgreichen Kompaktwagens reicht bis hin zum 16-Ventiler mit 129 PS. Neben der fünftürigen Limousine gibt es seit 1984 auch eine anfangs als Giardinetta und später unter der Bezeichnung Sport Wagon angebotene Kombi-Version. Damit bereitet Alfa Romeo den Boden für das heutige Segment kompakter Edelkombis. Rechtzeitig zum 75-jährigen Firmenjubiläum erscheint 1985 der Alfa 75.

Wirtschaftlich ist zu dieser Zeit schlecht um das Unternehmen Alfa Romeo bestellt. Durch ein Joint-Venture mit dem japanischen Hersteller Nissan, hofft man sich aus der wirtschaftlichen Schieflage zu befreien. Dafür erhofft man sich von den Japanern frisches Know-how für die Produktionsabläufe und die Öffnung der asiatischen Märkte. Vergebens, Alfa Romeo ist bereit für eine Übernahme. 1985 gibt es Gespräche mit der Ford Motor Company, die Alfa Romeo gerne in ihre Organisation integrieren würde. Mit dem US-Konzern im Rücken könnte sich Alfa Romeo zur echten Bedrohung für Fiat, Italiens Nummer eins, entwickeln. Der Turiner Konzern wird aktiv und ist schließlich erfolgreich. 1986 gliedert Fiat die Firma in seinen Konzern ein. Nach 52 Jahren ist Alfa Romeo damit wieder in Privatbesitz. Als Dokument der Leistungsfähigkeit entsteht der auf 1000 Stück limitierte Sportwagen SZ.  Für Alfa Romeo bedeutungsvoller ist allerdings das Erscheinen der neuen, großen Limousine. Dank neuer Möglichkeiten und finanziell gestärktem Rücken erwacht Alfa Romeo mit dem 1987 auf dem Markt erscheinenden Alfa 164 zu neuem Leben.

Alfa schenkt den Fans das Modell Guilietta zum 100. Geburtstag

Mit dem Alfa Romeo 8C Competizione demonstriert 2006 die ungebrochene Strahlkraft der Marke: Die limitierte Auflage von 500 Fahrzeugen ist binnen weniger Tage ausverkauft. Vielmehr noch, die Zahl der Kaufwilligen übersteigt die Auflage um das Dreifache. Als die Marke 2008 den kompakten Alfa Romeo MiTo (der Name setzt sich zusammen aus den Anfangsbuchstaben von Milano, der Geburtsstadt und Torino, dem Sitz den Konzerns und Produktionsort des kleinen Alfa Romeo) präsentiert und mit ihm erstmals in der Firmengeschichte in das Segment der Kompakten einstiegt, greift der kleinste Alfa Romeo zahlreiche Design-Zitate des Highend-Sportwagens Alfa Romeo 8C Competizione auf. Zahlreiche technische Features, die der Wettbewerb bislang nicht zu bieten hat, z. B. die Fahrdynamikregelung „Alfa Romeo D.N.A.“, sieben Airbags, aktive Kopfstützen vorn und das dynamische Stabilitätsprogramm VDC unterfüttern die optische Qualität des kleinen Alfa Romeo mit faktischen Innovationen.

Und nun, zum 100 Geburtstag von Alfa Romeo macht die Marke mit dem Modell Alfa Romeo Giulietta, das der überaus erfolgreichen Baureihe Alfa Romeo 147 folgt, nicht nur sich selbst ein Geschenk, sondern auch ihrer treuen und einzigartigen Fangemeinde – den Alfisti. Denn auch die Freunde und Fans von Alfa Romeo trugen und tragen wesentlich zur ganz besonderen Faszination der Marke bei. Keine andere Automarke, ob existierend oder bereits Geschichte, kann weltweit auf eine größere Anhängerschaft verweisen. Kein anderes Industrieunternehmen hat weltweit mehr Markenclubs als Alfa Romeo.