Land Rover

Zu den bekanntesten Land-Rover-Modellen zählen neben dem Klassiker Range Rover auch Defender, Discovery und Freelander, die in Fankreisen auf der Insel allesamt zärtlich „Landy“ genannt werden.

Man schrieb das Jahr 1929, als Spencer Bernau Wilks als geschäftsführender Direktor zu Rover kam. Er brachte seinen jüngeren Bruder, den Ingenieur Maurice Wilks, gleich mit in das Unternehmen. Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg benötigte die britische Regierung dringend Devisen und begann, Druck auf die Automobilindustrie auszuüben: billig zu produzierende Massen- und Serienautos sollten entwickelt und in die ganze Welt exportiert werden. Die Firma Rover hatte bisher vor allem Luxuswagen von ebenso hoher Qualität wie hohem Prestige produziert. Nach dem Krieg stagnierte dieser Markt allerdings.

Mit dem Geländewagen aus der Krise

Maurice Wilks war zu diesem Zeitpunkt technischer Direktor. Auf seinem Landsitz benutzte er einen Willys Jeep, eine Hinterlassenschaft der US-Streitkräfte. Wilks war von der Nützlichkeit des Jeeps überzeugt, aber auch von der Tatsache, dass er nicht mehr lange durchhalten würde, weil der Zahn der Zeit mächtig an ihm nagte. So entstand die Idee, bei Rover einen Geländewagen für die Landwirtschaft zu entwickeln und das Unternehmen so aus der Krise zu führen.

Der Prototyp wurde im Frühjahr 1947 in nur wenigen Wochen auf einem Jeep-Chassis aufgebaut; die Bezeichnung „Land-Rover“ (ein Rover für die Landwirtschaft) war eigentlich nur ein Arbeitstitel, blieb aber erhalten. Die Bleche der Karosserie waren aus Duralumin gefertigt. Noch im gleichen Jahr gab der Rover-Vorstand grünes Licht für eine Kleinserie.

1958 wurde der bereits überaus erfolgreiche Land Rover technisch überarbeitet und als „Serie II“ auf den Markt gebracht. Durch diese Einführung wurden alle bis dahin gebauten Land Rover rückwirkend zur Serie I. Es folgte 1971 die „Serie III“ und 1983 der schraubengefederte Landrover 90 und 110, der erst Anfang der 1990er Jahre den Namen Defender bekam. Das Konzept eines stabilen Stahl-Leiterrahmen-Chassis mit heavy box section und einer Stahl-Spritzwand als Basis für die weiteren Teile, sowie eine Karosserie aus Aluminium, wurde für alle Modelle bis heute beibehalten.

Neue Fabriken in anderen Ländern

Wegen der großen Nachfrage begann Rover, den Land Rover ab 1952 auch in anderen Ländern bauen zu lassen. So fertigte die Hamburger Tempo GmbH von 1953 bis 1955 250 Land Rover in modifizierter Form für den Bundesgrenzschutz. Der belgische Hersteller Minerva fertigte zwischen 1952 und 1956 rund 18.000 Land Rover mit leicht abgewandelter Karosserie für die belgische Armee. Sehr bekannt sind die Lizenz-Nachbauten aus Spanien von Santana Motors. Zwischen 1959 und 1994 entstanden dort knapp 290.000 Land Rover. Heute produziert Santana weitgehend eigenständige, zumindest optisch aber noch stark an den Defender erinnernde Geländewagen mit Iveco-Motoren.

Obwohl die „Serie“-Land Rover sich äußerlich und technologisch voneinander unterscheiden, haben sie alle den typischen „Land Rover-Look“: viereckig, mit von den Radkästen abgesetztem Kühlergrill und runden Scheinwerfern. Unter dem Druck der japanischen Allradfahrzeuge Toyota Land Cruiser und Nissan Patrol, die den europäischen Markt eroberten, wurden bei der Entwicklung des 90 und 110 diverse Neuerungen eingeführt: Servolenkung, permanenter Allradantrieb, Scheiben- statt Trommelbremsen vorne, Schrauben- statt Blattfedern. Insbesondere für die Federung musste das Chassis komplett neu konstruiert werden. Viele technische Details flossen vom damaligen Range Rover ein. Ab dem Jahr 1990, mit der Einführung des 200tdi-Motors wurde aus den Landrovern 110 und 90 der Landrover Defender.

Ab dem Jahr 1970 produzierte Land Rover (damals zu British Leyland gehörend) das Luxusmodell Range Rover, ein mit Schraubenfedern ausgerüsteter, luxuriös ausgestatteter Geländewagen mit permanentem Allradantrieb. Der Range Rover erweiterte den Markt und das Image der Firma. Der 1989 vorgestellte Discovery schließt die Lücke im mittleren Preissegment zwischen dem rustikalen Defender und dem luxuriösen Range Rover. Die Einführung des Range Rovers und des Discovery machten es erforderlich, auch der Land-Rover-Serie einen Namen zu geben. Daher heißt die Weiterentwicklung des klassischen Land Rovers nun Defender. Seit 1997 wird der seinerzeit unter BMW-Leitung entwickelte Freelander angeboten. Es handelt sich um ein Sports Utility Vehicle (SUV).

Land Rover kommt beim Militär gut an

Zur Jahrtausendwende wurden vom Land Rover (Serie I bis Defender) bereits weit über 1,6 Millionen Exemplare verkauft. Im Gegensatz zum Jeep und dem Austin Champ hat der Land Rover seinen Ursprung in der zivilen Anwendung. Es war jedoch nur eine Frage der Zeit, bis auch das Militär sich für das Auto interessieren würde. Bereits 1950 orderte die britische Armee über 100 Exemplare und verdrängte damit die Militärversion des Austin Champ vom Markt, der in der Herstellung fast das Doppelte des Land Rovers kostete. Einige Land Rover wurden noch im gleichen Jahr im Korea-Krieg eingesetzt. 1956 wurde der Land Rover offiziell zum Standardfahrzeug der britischen Streitkräfte. Das sehr erfolgreiche Modell "Military Land-Rover" (umgangssprachlich als "Lightweight" bezeichnet) wurde zum Beispiel als reines Militärfahrzeug, zusammen mit der britischen Armee entwickelt. Zivil gab es ihn nicht zu kaufen. Rund die Hälfte aller ausgelieferten Land Rover gingen an das Militär oder an Behörden.

Der Land Rover (Serie I bis Defender) hat sich seinen Namen aber vor allem bei Reisen und Expeditionen gemacht. Sein einfacher und widerstandsfähiger Aufbau sowie die simple und daher zuverlässige und leicht zu reparierende Technik führen dazu, dass man dieses Fahrzeug seit nunmehr fast sechs Jahrzehnten in der Sahara und an anderen Orten findet, an denen es durchaus lebenswichtig sein kann, sich auf sein Auto verlassen zu können. Mit der Markteinführung der zweiten und dritten Generation von Range Rover und Discovery sowie der Markteinführung des Freelanders im Jahre 1997 (der sich gleich bei der Einführung an die Spitze des Marktes setzte) konnte Land Rover seine Position auf dem 4x4-Markt stärken.

Der Land Rover ging als eigenständige Marke aus der gleichnamigen Geländewagenbaureihe des englischen Autobauers Rover hervor. Rover wurde 1966 Teil des staatlichen Zusammenschlusses der britischen Fahrzeughersteller zu British Leyland. 1978 wurde Land Rover zu einem separaten Unternehmen innerhalb der Firmengruppe Jaguar-Rover-Triumph; 1994 wurde es zunächst an den deutschen Automobilhersteller BMW verkauft.

Seit dem Jahr 2000 gehörte das Unternehmen (zusammen mit Jaguar und Volvo sowie bis Anfang 2007 Aston Martin) zur Premier Automotive Group des amerikanischen Ford-Konzerns, der es im März 2008 schließlich an die indische Tata-Gruppe verkaufte. Tata soll den Erhalt der Produktionsstandorte und der Arbeitsplätze in Großbritannien zugesichert haben. Außerdem will Tata die beiden Marken Jaguar und Land Rover am Leben erhalten.